Elijahs fantastische Reise


Wenn Durchhalten eine Schande ist, wird Überleben zur Kunst.

Ein essayistischer Dokumentarfilm über das Festhalten an einem haarigen Handwerk, das Tod in Schönheit verwandelt und damit die Gesellschaft herausfordert.

Der Beruf des Kürschners ist älter, als die ältesten Kirchen der Welt. Aber der schlechte Ruf ist ein Killer. Die Tradition stirbt. Um zu überleben verkaufen die letzten Mohikaner ihre Pelze sogar an der nordgriechischen Ägäis-Küste. Auf dem Kopf ihrer Kundschaft thronen Pelzmützen und an den Füßen tragen sie Flipflops aus Plastik. Das Ladenschild weist den Weg durch die sengende Sonne in die klimatisierten Stores: “Alaska Furs”.

Die Kinodokumentation erzählt vom Untergang eines Handwerks, von dem nur noch Griechen sagen, es sei unsterblich. Zeigt weißhaarige Methusalems und Einzelgänger, die alle ihre Arbeit lieben, aber den Blues haben. Es ist eine Welt, in der die Zeit gerade stehenbleibt. Weiße Haare. Weiße Kittel. Hornbrillen mit Schnauzer. Ägäis-Postkarten. „Pelz ist tot“, rufen die alten Leute aus, halb wütend, halb klagend, als sei das nicht schon immer so gewesen. Die meisten indes, haben die Blütezeit noch miterlebt. Sie waren Teil eines Milliardengeschäftes. Manche schneiderten ein Kult-Objekt zum Massenprodukt um, andere nähten Pelze exklusiv für Karl Lagerfeld. Aber jetzt ist nicht nur das Geschäft abhanden gekommen, sondern auch die Unschuld und der Stolz. Statt Dank und einem ehrwürdige Abschied, gab es eine Ohrfeige. “Wer Pelz trägt, trägt den Tod.”

Keine Frage, Pelz ist aus Tod gemacht. Wie kaum ein anderer Stoff berührt er universelle Fragen von Schönheit und Vergänglichkeit. Seine Ambivalenz entrückt ihn der Welt. Goldenes Vlies oder Flickwerk des Todes? Pelz ist ein Narrativ dafür, wie sich aus toten Tieren schöne Pelze, aus traumatischen Erlebnissen eine heile Welt schneidern lässt und man sich dabei glänzend fühlen kann. Die Welt urteilt nach dem Schein, sagt Goethe. Davon handelt das Wesen dieses Filmes, vom Streben nur die Sonnenseite zu sehen, die positive Seite der Medaille, die Schönheit, selbst wenn auf der Rückseite ein tödliches Flickwerk prangt, oder manchmal auch genau andersherum.

Die Lebenslinien der Protagonisten kreuzen sich vor etwa 50 Jahren in Frankfurt am Main. Dort wurden sie Teil einer Branche, die nach dem zweiten Weltkrieg aufblüht und Milliardenumsätze erwirtschaftet, bevor sie auf den Massenkonsum setzt und sich im Zuge der Antipelzbewegung zwanzig Jahre später fast ganz auflöst. Griechen und Juden mit ihrer von Holocaust und Armut zerrissenen Vergangenheit gehörten dabei zu den Schlüsselfiguren.

1962 kommt Iraklis Kallisthenis mit dem “Hellas Express” am Hauptbahnhof in Frankfurt an. In jeder Hand trägt er einen Koffer mit selbst genähten Pelzfuttern. Er ist gerade 23 Jahre alt und kann weder Lesen noch Schreiben. Stunden später hat er alles verkauft. Anschließend revolutioniert er mit der Nähtechnik seiner griechischen Landsleute das Pelzhandwerk. Frankfurt wird auch durch ihn zum größten Pelzmarkt der Welt. Am Ende seiner Karriere hat er über eine Millionen Felle veräußert und ein Volk in Pelze gekleidet, das zuvor große Teile seiner Branche vernichtet hatte. Jetzt steht er selbst an einem Schandpfahl und ist am Ende der Reise in die Ächtung angekommen. “Mit dem Pelz sei es vorbei,” sagt er leise. Ändern kann er daran nichts mehr, außer seine Geschichte zu schildern und das Zwielicht in dem sie sich zugetragen hat.

Erzählt aus der ungewohnten Perspektive der Außenseiter, ist Goldfingers kein Film über Gut und Böse, sondern handelt davon, wie beides zusammenhängt. Ein essayistisches Panoptikum des Pelzes und seiner letzten Kreateure.

Das Filmprojekt wurde von der Hessischen Filmförderung mehrmals gefördert. Der Drehbeginn ist für 2022 geplant.

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